Immer wieder gibt es im Internet die Diskussion, ob der digitale Übertragungsweg bei Fernsehbildern wirklich bessere Qualität liefert als der analoge. An der Diskussion will ich mich nicht beteiligen, weil die Diskussionsteilnehmer da teilweise von ungleichen Bedingungen ausgehen und Äpfel und Birnen miteinander vergleichen. Viel spannender ist da sicher die Frage, wie unterscheiden sich die digitalen Übertragungswege. Wie die
Fernseh-Signale generell verteilt werden, beschreibt sehr schön:
Mit "Billy" und
"Andrej" von
Wir haben dazu 5 x das
gleiche Fernsehprogramm aufgenommen. "Billy" hat DVB-C über
Da die Privatsender nicht digital im Kabel BW verfügbar sind, mussten wir uns auf eine Sendung der öffentlich-rechtlichen Programme (ARD, ZDF, Dritte Programme, etc.) beschränken. Ich habe mich für die Sportschau am Samstag bei der ARD entschieden und wir haben alle das gleiche Programm in der Zeit zwischen 17:55 Uhr bis 19:55 Uhr (120 Minuten) mitgeschnitten. DVB-T aus Köln und DVB-T aus Düsseldorf waren hinsichtlich der Datenrate und der Auflösung identisch, so dass nachstehend nur noch von DVB-T die Rede ist. Hier nun eine Aufstellung der zu vergleichenden Files:
Da die durchschnittliche Datenrate nicht allzu viel aussagt, hier die Datenraten in kbps (auf der Ordinate) in grafischer Darstellung:
DVB-S via Eutelsat (Abb 2) sieht fast so aus, als wenn man mit konstanter Bitrate (CBR) arbeiten würde. Das zeigt, dass auf Eutelsat noch recht viel Platz für breitbandige Übertragung (mit VBR) vorhanden ist. ;-) Die "Einbrüche" bei den anderen Streams auf unter 2000 kbps bei den Datenraten waren immer dann zu verzeichnen, wenn die Werbung lief oder die Moderation aus dem Studio zu sehen war. Nun habe ich beim Stand von 0:0 im Spiel Stuttgart gegen Bielefeld eine Freistoßszene extrahiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es also recht wenig Bewegung im Bild, da sich die Spieler noch recht langsam positionierten, dennoch lag die Datenrate zu diesem Zeitpunkt zwischen 4300 und 5000 kbps bei Astra /Kabel BW und bei DVB-T sogar bei bis zu 5146 kbps. Als Referenzbild habe ich das gleiche Bild genommen, es um 300% vergrößert und das DVB-T-Bild noch in der Breite skaliert. Aber Achtung - aus den 720 x 576 Pixel eines Standardbildes sind das im Prinzip nur 168 x 123 Pixel, die nur entsprechend vergrößert sind. Es ist also sehr schwer (wenn nicht unmöglich) auch auf einer Großleinwand die Rückennummer 22 von Kuranyi (der zweite weiße Spieler von links) und die Nummer 20 von Soldo (dritter weißer Spieler von links - und Torschütze des dann folgenden 1:0 für Stuttgart in der 47. Minute) auf dem Bild zu erahnen.
Was lernen wir daraus? Datenrate ist nicht alles. Eine hohe Datenrate garantiert nicht unbedingt ein gutes Bild!
Trotz der hohen Datenrate von Eutelsat ist das Bild (Abb 6) als schwammig zu bezeichnen. Es hat zwar etwas weniger Artefakte, bei der Farbdarstellung aber schneidet Euselsat miserabel ab.
Um es klar zu sagen, DVB-S via Eutelsat lieferte (bei dieser Sendung) hinsichtlich der Auflösung, der Verblockung und auch hinsichtlich der Farben das schlechteste Bild.
Das Bild mit der größten Schärfe (über die gesamte Zeit) kommt in unserem Versuch von Astra und Kabel BW. Die Bilder von Kabel BW und Astra gleichen übrigens wie ein Ei dem anderen. Spannend ist da sicher die Frage, woher die Zuspielung von Kabel BW kommt und wie die nachgeschaltete Technik im Vergleich zu Astra aussieht. Wenn Sie also die Wahl haben und sowohl Astra als auch Eutelsat sehen können, lassen Sie sich durch die hohe Datenrate nicht blenden. Untersuchen Sie kritisch, wer das bessere Bild liefert. Und die DVB-T-Empfänger finden hier nur nochmals das bestätigt, was schon länger bekannt ist. DVB-T liefert aufgrund der geringen Bandbreite auch nur ein mäßiges Bild im Vergleich zu DVB-S oder DVB-C. Ist aber natürlich auch schwer, wenn man anstelle von 720 x 576 nur 544 x 576 Pixel überträgt.
Verbleiben wir noch einen Augenblick bei Sendern mit hoher Bitrate. Das leider verschlüsselte ORF liefert hier ein schönes Beispiel. Das Österreichische Fernsehen ist nur für Bürger, die in Österreich ihre Rundfunkgebühren bezahlen, empfangbar und deshalb danke an R. aus Wien, weil er mir bei diesem Test geholfen hat. Da zahlt sich eine gute Internet-foren-community (auch wenn es lange her ist) doch hin und wieder aus. ;-) Was haben wir nun gemacht? "R." und Jürgen haben beide an einem Freitagabend "Ein Fall für zwei" aufgezeichnet. Jürgen das ZDF via Astra und "R." ebenfalls via Astra das ORF2 beide also in DVB-S.
Was aber viel mehr auffällt, ist die unterschiedliche Laufzeit des gleichen Films. Nun läuft der Film nicht bei dem einen Sender schneller oder langsamer, sondern das ZDF hat den Film schlicht um rund 5 Minuten gekürzt, wie man am folgenden Tonausschnitt sehr schön sehen kann.
Bis ca. 5 min 15 sec Laufzeit ist die Welt noch OK und dann hat das ZDF angefangen den Film zu kürzen (erste Stelle gelb gekennzeichnet). Ob es nun so wichtig ist, wer das Gehalt von Josef Matula nun wirklich bezahlt (denn darum ging es in der Szene), sei dahingestellt. Entscheidend ist, dass der Film im ORF in Summe rund 5 Minuten länger war. Schauen wir uns die Bitraten im Detail an:
Doch was bringt uns die durchgängig höhere Datenrate im ORF? Das nachstehende Bild lässt erahnen, dass die 300% Vergrößerung einer Augenpartie beim ORF etwas detailreicher ist. Wobei der ein oder andere Bildausschnitt beim ZDF schärfer erscheint. Sehen Sie es mir bitte nach, dass ich Bilder hier nur als JPG etwas komprimiert bringe, aber aufgrund der vielen Bilder im EDV-TIPP habe ich auch recht viel Traffic, der bezahlt werden muss.
Und auch die sehr schnelle Szene, bei der Matula gerade mal wieder eins über die Rübe bekommt und die in tiefer Dunkelheit spielt, zeigt bei dem ORF-Stream an den Haaren hinter dem Ohr eine größere Schärfe und weniger Artefakte. Da muss man aber schon sehr genau hinsehen, um das zu bemerken. Fazit: Auch bei anderen Vergleichen zeigte sich, dass das ORF anderen Sendern hinsichtlich der Datenqualität gerade bei schnellen Szenen überlegen ist. Für die EDV-TIPP-Leser aus der Alpenrepublik mag das bedeutsam sein - wir in Deutschland aber können ORF1 und ORF2 leider aufgrund der Verschlüsselung nicht sehen. Wie bereits geschrieben, ist also abschließend festzuhalten, dass Datenrate nicht unmittelbar etwas mit Qualität zu tun hat, aber das wissen die Filmfreunde unter den EDV-TIPP-Lesern ja schon aus den vorangehenden EDV-TIPPs. Und weiter halten wir fest, dass DVB-S nicht gleich DVB-S ist, wie der Vergleich von ORF mit dem ZDF und Astra mit Eutelsat zeigt.
Wer sich von den
mit dem EDV-TIPP "befreundeten Usern" für die echten Bilder aus dem o.a. Test im Detail
interessiert (sie sind aus Copyright-Gründen nicht öffentlich zugänglich)
kann sie
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