|
In der letzen Folge hatten wir gesehen, wie nach der eigentlichen Gestaltung des Videos die VTS- und die VMG-Files, sowie die Volume-Struktur entsteht.
Was verbirgt sich nun im Detail dahinter? Die "volume structure" besteht aus den eigentlichen Unterverzeichnissen, AUDIO_TS, VIDEO_TS und ggf. einem User-definierten Unterverzeichnis nach Wahl, die direkt im Hauptpfad liegen müssen:
Der Bereich "User defined" gibt uns Raum für individuelle Erweiterungen der DVD. Ein typisches User-Verzeichnis könnte z.B. "VIDEO_ROM" heißen. So ist z.B. problemlos eine Multimedia DVD denkbar. Doch dazu gibt es mal bei Gelegenheit eine neue Folge. Dieser durch den User definierte Bereich könnte aber auch ein Inhaltsverzeichnis mit dem Namen "JACKET_P" sein. Bei dieser Ordnerbezeichnung handelt es sich um einen standardisierten Namen - also von der DVD-Norm vorgesehenen Namen. Er enthält Bilder in drei verschiedenen Größen im MPEG II Format. Diese Bilder könnten z.B. die Coverdaten einer DVD sein. Beispielsweise könnten diese, wenn sich die DVD in einem DVD-Wechsler befindet, über ein grafisches Display angezeigt werden. Bislang wird dieses Feature -nach meiner Info- aber kaum genutzt. Das Unterverzeichnis AUDIO_TS ("TS" steht übrigens für Titelset) ist bei einer klassischen DVD leer. Es ist der Audio-DVD vorbehalten. Man kann es auch weglassen, wie einige Kauf-DVDs zeigen. Angeblich soll es aber DVD-Player geben, die die Existenz des Verzeichnisses abfragen. Ich persönlich habe mir angewöhnt, das Verzeichnis immer hinzuzufügen, wenn ein Authoringprogramm das nicht schon von Hause aus macht. Übrigens müssen alle Verzeichnisse in GROSSBUCHSTABEN gespeichert werden und sollten nicht mehr als 8 Zeichen haben. Das Titelset-Verzeichnis VIDEO_TS, also der eigentliche Video-Bereich, beinhaltet zuerst einmal den bereits o.a. Video Manager (VMG) und verschiedene Video Titel Sets (VTS).
Kommen wir jedoch zurück zu den Files, die beim Authoring entstehen. Das ist sicher der schwerste Teil - denn hier wird es recht komplex. Ich habe bewusst die englischsprachigen Kürzel dazu genutzt, da Sie diese Informationen in irgendwelchen Veröffentlichungen immer wieder finden. Viele EDV-TIPP-Leser werden verwundert sein, warum ich das so ausführlich mache. Doch wenn jemand eine DVD produziert, sollte er meiner Meinung nach schon wissen, was sich in den einzelnen Dateien befindet, die nachher auf der DVD sind.
Das VMGI-File, VIDEO_TS.IFO, beinhaltet Kontrollinformationen und sagt dem Player, wo und womit es eigentlich losgeht. Der Player startet also immer mit dieser Datei. Hier findet er die relative physikalische Adresse wo es weitergeht und auch wieder aufhört.
Das VMGM_VOBS mit dem Namen VIDEO_TS.VOB kann sehr unterschiedliche Inhalte haben (wir kommen gleich noch darauf zurück). Es muss nicht existieren, wobei VIDEO_TS.IFO und VIDEO_TS.BUP zwingend vorgeschrieben sind. VMGI(BUP) im File VIDEO_TS.BUP ist übrigens eine 1:1-Kopie von VIDEO_TS.IFO und dient nur der Sicherheit, wenn die Originaldatei unleserlich sein sollte. Jedes VTS, also jedes Video Titel Set im klassischen Sinne, besteht aus der VTSI (Video Title Set Information), dem VTSM_VOBS (Video Object Set für das VTS Menü) und einer zusätzlichen Information dem VTSTT_VOBS (Video Object Set for Titles in einem VTS. Dazu kommt noch die Backupdatei der Video Title Set Information mit dem Namen VTSI(BUP).
VTSM_VOBS mit dem Dateinamen VTS_01_0.VOB kann, muss aber nicht bestehen, aber die anderen Dateien sind wieder notwendig. Bleiben wir noch einen Augenblick in diesem Bereich: Die VTSI, also die IFO-Datei trägt die Steuerinformation über die eigentliche VTS-Datei(en), also die VTS_xx_y.VOB. Die Bezeichnung "VTS_xx_y.VOB" ist, wenn Sie so wollen, der Titel eines Films. Der Name variiert erst einmal bei den beiden "xx". Also der erste Film hat den Namen "01" und der nächste den Namen "02", usw. Da VTS_00_0.VOB nicht vorkommt, sind 99 Einzelfilme bzw. Titel möglich. Die hier rot hinterlegte Null im Namen VTS_xx_0.VOB sagt uns automatisch, dass es sich um ein Menü (VTSM_VOBS) handelt. Der diesem Menü folgende Film kann aus 9 weiteren Segmenten (VTSTT_VOBS) bestehen. Warum teilt man denn nun den Film, den wir erst
so schön mühevoll in einem Stück produziert haben, in max. 9 Teile auf? Ja, das
hängt mit der Dateigröße zusammen. In meinem Artikel zur
Bei der Entstehung der DVD-Video-Norm hatte man festgelegt, dass der kleinste gemeinsame Nenner aller Systeme für die Wiedergabe von Video-Files ein Einzelfile mit einer Größe von 1 GB ist. Also zerteilt man einen großen Film in kleinere Segmente und und variiert den Namen zwischen 1 bis 9. Damit kann ein einzelnes Filmsegment neben dem Menü 9 GB groß sein. Es wird damit nicht auf Ihre einseitige DVD, die vermutlich nur ein Layer hat, passen - aber was nicht ist, kann ja noch werden. ;-)
An unserem o.a. Verzeichnis sieht das nun so aus:
Zur Navigation greift die Firmware des DVD-Players nicht direkt auf die Dateien zu, sondern nimmt den Umweg über logische Einheiten. Die Struktur ist ähnlich aufgebaut wie die Struktur einer Festplatte mit der File Allocation Table, die dann direkt auf das aktuelle Video bzw. auf den entsprechenden Audiobereich zugreift. Nun habe ich davon berichtet, dass sich der Video Manager (VMG) aus dem VMGI (Video Manager Information), dem VMGM_VOBS (Video Object Set for VMG Menu) und einem Backup des VMGI, dem so genannten VMGI(BUP) zusammensetzt. Dabei habe ich Ihnen noch ein paar Informationen unterschlagen. In diesen Daten sind neben Menü-Attributen, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, so genannte "Title Search Pointers", also bestimmte Adressen für den jeweiligen Titel und PCGI (Program Chain Information) für das jeweilige Menü vorhanden. Im "VTS-Bereich" finden wir noch neben den Menüattributen und Titelattributen folgende Informationen: "Part of Title Search Pointer", "Time Map Table", "PGCI for Menu" und "PGCI for Title". Ich will es hier nicht all zu kompliziert machen, sie sollten aber wissen, dass Ihre Authoring-Software die Videodaten in Program Chains (PGC) zerlegt. Das sind-wenn sie so wollen- einzelne Filme oder Kapitel, wenn der ganze Film aus kleinen Stücken zusammengebaut ist. Diese Filme/Kapitel sind über so genannte PRE- und POST-Kommandos miteinander verknüpft. Diese Program Chains teilen sich wiederum in "Programs" (PG) auf, die etwa mit den Szene eines Films vergleichbar sind. Die PGs bestehen nun aus einzelnen Zellen (Cells). Die "Cells" nun fassen wieder VOBUs zusammen - und erst zu diesem Zeitpunkt kommen die physikalische Einteilung, die wir in Kapitel 1 kennen gelernt haben und die Navigationsstruktur auf einen gemeinsamen Nenner. Wie es nach den VOBUs weitergeht, haben Sie ganz am Anfang schon mal gelesen - und vermutlich auch behalten. ;-) Für den DVD-Player ist das VOBU die kleinste ansteuerbare Einheit. Wenn Sie also z.B. den
schnellen Vor- oder Rücklauf des Players benutzen, springt der Player beispielsweise von VOBU zu VOBU.
Und wenn der schnelle Vorlauf nun nicht richtig funktioniert, so müssen Sie sich
diesen Bereich Ihrer DVD ansehen. Vergleiche:
Und auch die eingangs schon mal besprochenen NAV_PACKS greifen hier auf die CELL- und VOBU-Struktur zu. Die Navigationsstruktur einer DVD ist aber weit komplexer als ich das hier aufgeführt habe. Doch ich will Sie nicht unnötig mit Programs und Parts-of-Title (PTT) und den ganzen anderen Sachen langweilen, da das Wissen um diese Details hier und heute nicht sonderlich zielführend ist.
Schauen wir uns aber zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei konkrete Authoringbeispiele an, die zeigen, dass die Authoringprogramme bei der Erstellung der IFO- und VOB-Dateien keiner einheitlichen Strategie folgen. Mit
Ziel war es, dass beim Einlegen der DVD direkt ein Film läuft (und zwar der Start-Video-Stream, "First Play PGC"). Das ist bei mir ein Stream mit Testbild und Logo. Hier als Nummer 1 dargestellt. Dann soll ein Menü-Fenster (3) aufgehen, in dem der Benutzer den eigentlichen Film (2) auswählen kann. Das Ergebnis sieht als DVD so aus:
Der DVD-Player wird also zuerst die Datei VIDEO_TS.IFO abarbeiten. Der Video Manager zeigt dem Player mit einer Autoplay-Anweisung, an welcher Stelle er mit der Wiedergabe beginnen soll. Dann wird der Player auf die Datei VIDEO_TS.VOB stoßen, in dem ein für den Betrachter unsichtbares Logo (meist Studiologo) ist (Bild 1) und dann mit VTS_01_1.VOB (Kurzfilm - Bild 3) weitermachen. Ist der Kurzfilm zu Ende, geht es über VTS_01_0.IFO auf das eigentliche Menü, unter VTS_01_0.VOB (Bild 2), das Zugriff auf die Titel (TT) der DVD bietet. In meinem Fall ist dass nun aber nur ein Titel. Wählt der Benutzer nun den Film aus, oder wartet eine definierte Zeit, so geht es über VTS_02_0.IFO, VTS_02_0.VOB (Logo auf Bild 4) auf den eigentlichen Film unter VTS_02_1.VOB (Bild 5). Vereinfacht sieht das so aus:
Abb 6 Die einzelnen VOB-Files kann man sich problemlos mit jedem Software-DVD-Player auf einem PC ansehen. Recht gut geeignet ist hierzu "Herosoft
DVD", eine Freeware aus den
Warum um alles in der Welt ist das so umständlich, werden Sie fragen. Warum springen die da kreuz und quer durch die VOBs? Ja, wenn ich das wüsste....
Die schenken Sie sich die Werbebilder in Form der unsichtbaren Logos und gehen gleich zur Sache. Das vereinfacht die Struktur und führt zu einem sicheren Abspielen. Die DVD startet über VIDEO_TS.IFO mit dem "First Play PGC", um dann über die VTS_01_0.IFO das Menübild unter VTS_01_1.VOB aufzurufen. Nach Zeitablauf oder mit der Auswahl des Bedieners geht es in VTS_02_0.IFO und dann mit dem eigentlichen Film unter VTS_02_1.VOB weiter.
| ||||||||||||||||||||||