DVD - Die Qual der Wahl (Plus oder Minus)
 

Während beim Start dieser EDV-TIPP-Reihe zum Thema DVD/SVCD die (wieder)beschreibbare DVD noch in weiter Ferne war, hat sich der Markt für optische Speicher mittlerweile rasant entwickelt.

Der Bundesverband Audiovisuelle Medien titelte Anfang 2002:

Der deutsche Videomarkt erzielt neue Rekordumsätze
Wie die Zahlen des GfK-Konsumentenpanels für das abgelaufene Jahr 2001 belegen, übertrifft der Videogesamtmarktumsatz in Deutschland erstmalig die 1 Milliarden € Schwelle. Im vergangenen Jahr konnte mit dem Verkauf und der Vermietung von DVD- und VHS-Bildtonträgern der Rekordumsatz von insgesamt 1,146 Mrd. € erwirtschaftet werden. Das entspricht einer Gesamtmarktsteigerung von +23%.

Dabei konnte man sehen, dass erstmals das DVD-Geschäft den VHS-Verkaufsumsatz erstmals überholte.

Von diesem Markt gehen also die notwendigen Impulse aus, die auch die (wieder)beschreibbare DVD beflügelt.

War zuvor nur die wenig kompatible DVD-RAM verfügbar, so eröffnete Pioneer im Jahr 2001 den Reigen der erschwinglichen DVD-Brenner mit dem DVR-103.

Als erstes System war Apple mit dem PowerMac G4 und dem DVR-103 im Markt.

Das System kostete im März 2001 etwa 9.300,- DM. Während der bis dato einzige verfügbare DVD-Brenner, der Pioneer DVR-S 201, zu diesem Zeitpunkt alleine rund 10.000,- DM kostete.

Der Vorsprung von Apple dauerte nur kurz, denn Pioneer vermarktet sein Produkt auch unabhängig von Apple und betitelte im Frühjahr 2001 seine DVR103-Prospekte mit dem Hinweis "World’s first DVD/CD compatible writer".

Die Preise lagen je nach Anbieter bei rund 2.000,- DM.

Während die von Panasonic, Toshiba und Hitachi unterstützte DVD-RAM bei der Archivierung von Videos absolut keine Rolle mehr spielt, konzentrieren sich die User zwischenzeitlich auf zwei konkurrierende Systeme:

DVD-R(W) oder DVD+R(W) ist hier die Frage !

Wir unterscheiden zwar generell z.B. DVD-R und DVD-RW, also die einmal und die wiederbeschreibbaren DVDs, wir beschränken uns aber bei einem ersten Blick auf die grundsätzlichen Unterschiede von "+" und "-".

Fangen wir einmal mit der DVD-R(W) - Fraktion an.

Entwicklung, wie gesagt, von Pioneer. Unterstützt wird dieses Format zur Zeit von Sharp, JVC, Hitachi, Mitsubishi, Kennwood und LG Electronics.

Von der Konkurrenz wird das Format oft abwertend "Minus-R(W)" genannt, ist aber vom DVD-Forum anerkannt.

Das technologische Konzept ist mit der DVD+R(W) vergleichbar, jedoch erlaubt es dieses DVD-R(W)-Format leider nicht, eine neue Sequenz zu einem bereits aufgenommenen Video hinzuzufügen.

Im Gegensatz zu den gepressten Medien (also bei den reinen Kauf-Videos) ist diese DVD mit vorgeprägten Sektoradressen für die eigentliche Aufzeichnung vorbereitet. Diese vorgeprägten Sektoren ermöglichen eine exaktere Positionierung des Laser für den Brennvorgang.

Die "DVD+R(W)" hingegen wurde bei Philips entwickelt. Aber auch Sony, Mitsubishi Chemical, Hewlett-Packard, Ricoh, Thomson und Yamaha sind mit im Boot.

Die DVD+R(W) orientiert sich wie die DVD-R(W) am DVD-Video-Standard. Technologisch unterscheidet sie sich dadurch, dass sich auf der vorgepressten Spur der DVD+R(W)-Medien neben einer Wobbel-Frequenz, die zur Spurführung dient, noch ein zusätzliches Signal angeordnet ist. Details dazu finden Sie z.B. unter http://members.aon.at/neuhold/dvd/dvd_funktion.html.

Dieses Signal wird von den normalen DVD-Video-Playern gar nicht wahrgenommen. Es ermöglicht aber eine sehr präzise Positionierung des Lasers. Dadurch lassen sich an eine vorhandene Videosequenz weitere anhängen, ohne dass Verluste zwischen den aufeinander folgenden Datenblöcken entsteht.

Für den Videofilmer der seinen eigenen Film in der Regel in einem Stück auf die DVD brennt, ist das sicher nicht so wichtig, aber es scheint ein Kaufargument zu sein.

Ein weiteres wichtiges Argument für die DVD-Plus-Franktion ist die zur Zeit noch höhere Schreibgeschwindigkeit bei Plus-Medien im Verhältnis zu Minus-Medien.

In den einschlägigen Foren ist nun ein schon fast erbitterter Kampf über das richtige Format entbrannt. Und auch die Hersteller kämpfen - und zwar um Marktanteile. Dies führt zur Zeit zu einem nicht unerheblichen Preisverfall bei den DVD-Brennern.

Heute (Mitte Oktober 2002) liegen die Preise bei unter 300,- Euro für einen DVD-RW - oder DVD+RW - Brenner.

Fest steht aber, dass die Käufer durch die Existenz von zwei konkurrierenden Formaten verunsichert sind.

Sony z.B. nutze die Gunst der Stunde und offeriert einen Brenner, der sowohl DVD+ als auch DVD- schreiben kann, der DRU-500A, der damit unter dem Begriff DVD+R(W) läuft.

(C) by Sony

Nun ja, vielleicht glaubt auch Sony nicht mehr an den Sieg der eigenen Plus-Fraktion ;-) und schwenkt rechtzeitig auf die DVD- um.

Zwar berichten die User im Internet noch von Fehlern, die offensichtlich auf die Firmware zurückzuführen sind, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Was immer sich am Schluss durchsetzt - mit so einem Kombi-Brenner, egal von was für einem Hersteller, sind Sie auf der sicheren Seite. (Kosten: zur Zeit - knapp 400,- Euro)

Ich für mein Teil, will und kann den "Glaubenskrieg" für PLUS oder MINUS hier nicht entscheiden. Meine Kaufentscheidung für einen Pioneer DVR-104 (von der DVD-Minus-Fraktion) hat sich mehr aus dem Bauch heraus entwickelt und aus dem Wissen was auf meinem Standalone-DVD-Player (Set-Top-Player) läuft. Aber solche Entscheidungen sind ja auch nicht für immer und ewig oder arbeiten Sie heute noch mit einem 5 1/4"-Laufwerk? Obwohl das noch gar nicht so lange her ist. ;-)


Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang noch zwei Begriffe, die immer wieder auftauchen und etwas zur Verwirrung führen:

DVD-VR und DVD+VR

Zwei typische Geräte-Vertreter dieser "VR-Gattung" sind der Philips DVDR 1000 für die Plus-Fraktion und der Pioneer DVR-7000 für die Minus-Fraktion.

VR steht hier sowohl für "Real Time Video", als auch für "Video Recording". Also, das ist im Prinzip der Ersatz unserer heutigen Video-Recorder.

Ziel ist es hierbei den Fernsehfilm mittels einer Real Time - Codierung via MPEG direkt auf DVD zu brennen. Die +RW-Technologie, wobei die Betonung hier auf dem "W", also der wiederbeschreibbaren DVD liegt, ermöglicht es dem Benutzer z.B. Werbeeinblendungen im Nachhinein auszublenden oder einfach zu überspringen. Dazu werden entsprechende Verweise nachträglich auf die DVD geschrieben und das geht nur bei wiederbeschreibbaren DVDs.

Aufgrund der eingesetzten Technologie scheint mir hier persönlich die Plus-Fraktion etwas im Vorteil zu sein.

So hat das DVD-Forum -ich glaube es war im Jahre 2000- das "Video Recording Format" als einzigen, offiziellen Standard für die Video-Aufzeichnung auf DVD-R/DVD-RW festgelegt. Dieses Format wird bei Pioneer DVD-Recordern als Aufzeichnung im "Video Modus" bezeichnet. Und dieser "Video-Modus" setzt zwingend eine DVD-R voraus. Die DVD-RW ist da einfach zu wenig kompatibel mit den gängigen Standalone-Video-Playern (Set-Top-Player).

Und leider geht bei einer DVD-R das Editieren im Nachhinein nicht - gebrannt ist einfach gebrannt. Pioneer arbeitet aber an dem Problem und versucht zur Zeit die Hersteller der gängigen DVD-Player zu motivieren, eine höhere Abspielkompatibilität auch zu den DVD-RW-Scheiben herzustellen.

Doch was hilft das einem DVD-Player-Besitzer, der einen "alten" Player hat.

Mit einer DVD+RW ist im Gegensatz zu der DVD-RW -aufgrund der Reflexionseigenschaften- die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie in einem klassischen Video-DVD-Player problemlos abgespielt werden kann. Und da, aber auch nur da, sehe ich einen kleinen Vorteil für die Plus-Fraktion. Doch sicher, dass ein DVD-Player so eine Scheibe lesen kann, sollte man nicht sein. Probieren geht hier über studieren.


Schaut man sich aber nun z.B. den Philips DVDR 1000 und seine DVD einmal an, so speichert auch er seine Daten in einem Unterverzeichnis mit dem Namen VIDEO_TS ab. Wir finden also hier die klassischen VOB-, IFO- und BUP-Dateien.

Zusätzlich gibt es auf den DVD+RW-Scheiben aber noch ein Unterverzeichnis mit dem Namen VIDEO_RM. Hier werden die entsprechenden Editierinformationen abgelegt, wenn ich das Verfahren richtig verstanden habe.

Diese zusätzlichen Daten können aber nur wieder von einem DVD+RW-Recorder ausgelesen und verwendet werden. Ein normaler DVD-Player kann aber mit dem Unterverzeichnis überhaupt nichts anfangen und so löst sich der Vorteil des Editierens auf den ersten Blick in Wohlgefallen auf.

Denn stellen Sie sich mal einen schönen Film mit Werbeeinblendungen vor. Sie haben ihn auf Ihrem DVDR 1000 aufgezeichnet und nachträglich durch Editieren die Werbeblöcke ausgeblendet und ein schönes Menü eingebaut. Das steht nun alles im Unterverzeichnis VIDEO_RM und dann geben Sie die Scheibe an eine Freundin oder einen Freund weiter. Der oder die hat aber nur einen einfachen DVD-Player und der kann mit den Informationen im VIDEO_RM-Verzeichnis nichts anfangen.

Doch die Entwickler haben eine zusätzliche Funktion für solche DVD-Recorder entworfen. Mit dem Menüpunkt "DVD kompatibel machen" überträgt der Recorder die Änderungen oder Ergänzungen zum Abschluss ins Verzeichnis VIDEO_TS. Zwar belässt er die VOB-Streams so wie sie sind, doch finden sich die entsprechenden Steuerinformationen offensichtlich in den IFO-Dateien wieder. Damit können Sie die Scheibe in den meisten DVD-Playern ohne die störende Werbung abspielen.

Da einige Softwareplayer aber auf die Einträge im Verzeichnis VIDEO_TS nicht reagieren, bleibt bei den Standalone-Playern auch nur die Variante: "probieren geht über studieren".

Die Integration dieser Scheiben in die PC-Welt ist übrigens mit so Programmen wie neoDVD 4.0 von Mediostream recht einfach möglich. Doch das soll heute nicht unser Thema sein.

 

Dank an HolgerS, User des DVD-SVCD-Forums, der mir mit einer DVD+RW von einem Philips DVDR 1000 weitergeholfen hat.

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