Guter DVD-Sound für Ihren Film selbst gemacht
  Teil 3 - Von Problemen bei der Suche nach dem optimalen Ton

 

In den letzen beiden Folgen habe ich Ihnen die ersten Schritte auf dem Weg beschrieben, den ich gegangen bin, um einen optimalen Ton für eine DVD zu produzieren.

Heute will ich einmal aufzeigen, auf welche Probleme ich bei der weiteren Vorgehensweise gestoßen bin. Sie können die Folge überspringen und direkt mit Teil IV weitermachen, aber Sie verpassen vermutlich wertvolle Informationen. ;-)

In Teil II habe ich die Wandlung der Sampling Frequenz von 44,1 auf 48 kHz mit SSRC beschrieben und das so entstandene Wav-File als ideale Basis für die weitere Filmbearbeitung angesehen.

Der Sound sah nicht nur gut aus

sondern hörte sich auch "Spitze" an. Zumindest war er vom Original nicht zu unterscheiden. Dazu kam, dass die Sampling-Rate die geforderten 48 kHz hatte.

Wie schon im Teil I dieser Staffel beschrieben, habe ich nun wieder versucht, dass so mit SSRC gewandelte WAV-File in mein Schnittprogramm einzubinden.

Da ich ein Fan vom "Video Editor" aus dem Ulead MediaStudio bin, habe ich natürlich das Programm dazu in der Version 6.0 genutzt:


Wieder bildete die "DV"-Einstellung die Basis; mit Digital Video, PAL und einer Toncodierung in PCM 48.000 Hz.

Im nächsten Schritt habe ich mein Musikfile auf die "Time-Line" gelegt

 

und dazu einfach parallel, über die volle Zeit der Soundlänge, ein stehendes Bild (und zwar ein Testbild) geschnitten, wie ich es schon in meiner Folge "Der Video-Schnitt" genutzt habe.

Am Ende wurde das Projekt auf Platte "gerendert". Und zwar mit folgenden Einstellungen:

 

Das Ergebnis sollte ein Test-AVI werden, dass nur ein Testbild zeigt und dazu einen optimalen Versuchs-Ton beinhaltet.

Ziel sollte es sein, ein solches AVI in ein MPEG2-File zu wandeln und dieses dann hinsichtlich des Tons weiter zu untersuchen.

Doch mein TMPGEnc wollte mein AVI nicht so richtig annehmen.

Nach 2 oder 3 Nächten der "Forschung" stellte sich heraus, dass ich durch Änderung der Interleave-Rate TMPGEnc endlich dazu bewegen konnte, mein File zu akzeptieren.

AVI steht ja für "Audio Video Interleave", was nicht anderes heißt, als dass Audio- und Videodaten ineinander verzahnt, also "interleaved" abgespeichert werden. 

Aus alter Tradition heraus hatte ich pro Frame immer ein Tonstückchen abgespeichert.

Video und Audio wechselten dann wie folgt: VAVAVAVAVA.

Nach Änderung auf "4:1"

wechselte die Struktur also auf VVVVAVVVVAVVVVA etc.

Erst kamen vier Videoteile und dann ein Audioteil. Man spricht bei den Teilen auch von "Chunks", also den kleinsten Einheiten in einer AVI-Datei.

Nachdem ich das also so geändert hatte, konnte TMPGEnc mein AVI lesen. Um herauszufinden, was denn hier überhaupt die optimale Einstellung ist, habe ich im Internet etwas geschnüffelt und sehr unterschiedliche Werte gefunden.

Was ist denn nun die richtige Interleave-Rate?

Bei DOOM9 habe ich mal irgendwas von "Interleave Audio" auf "every 500 ms" einstellen gelesen. Das schien mir persönlich etwas viel zu sein. Dazzle-Europe hingegen schreibt irgendwo zur FAST AV Master, dass das Schnittprogramm Premiere Ver 4.x vier Frames also 4:1, als Interleave-Faktor bevorzugt.

Nach einer recht intensiven Maildiskussion mit dem sicher vielen Lesen bekannten "shh", dem Autor von FitCD, konnte dieser mich überzeugen, dass ich an der falschen Stelle suche. Die Ursache für die fehlerhafte Erkennung des AVIs durch TMPGEnc musste wo anders liegen.

Also, alles nochmals auf Anfang und mit MdgH ans Werk (MdgH = Methode des genauen Hinsehen). ;-)

Leider hatte ich mir immer nur die ersten paar Minuten eines Films angesehen und besonders angehört und darum den Fehler in seiner ganzen Breite nicht bemerkt.

Allen Problemfilmen war eins gemeinsam:

In der Mitte oder zum Ende des AVIs hin und stark abhängig von der eingestellten Interleave-Rate waren Bild und Ton gestört.

Das Bild bestand (übrigens vollkommen unabhängig vom eingesetzten Codec) an bestimmten Stellen nur aus bunten Klötzen

und der Ton sah so aus:

 

Da bei dem auftretenden Fehler eine klare Abhängigkeit vom Interleave bestand, habe ich noch mit Alexander Noé AVI-Mux GUI gesprochen. Auch er bestätigte mir, dass der Interleave-Faktor bei der Wiedergabe von der Festplatte völlig einerlei ist.

Damit ein Software-Player die Bild und Ton-Segmente eines AVIs richtig lesen kann, besitzt jeder AVI-Stream im Header ein Feld, in dem die Buffer-Größe steht. Dieses Feld hat der Player auszulesen und damit seinen internen Speicher entsprechend anzupassen.

Durch diesen Buffer ist der Interleave bei Wiedergabe von Festplatte im Prinzip völlig egal. Anders ist es bei einer Wiedergabe von langsamen Datenträgern, wie z.B. CD-Playern. Hier kann man jedoch so genannte "rec-Listen" nutzen, die aber meines Wissens nur von dem AVI-Mux GUI unterstützt werden.

AVI-Mux GUI ist übrigens ein Tool, welches die Erstellung mehrsprachiger AVI-Datei erlaubt, die auch bei geringer Laufwerksgeschwindigkeit (und damit bei wenig Laufwerksgeräuschen) direkt von CD-R oder DVD-R sehr gut abspielbar sind.

 
Nun gut, das o.a. Problem konnte ich als Anwender durch Veränderung des Interleave-Faktors nicht beeinflussen. Denn ich konnte in MSP 6.0 einstellen was ich wollte, ich bekam kein vernünftiges AVI heraus.

Und damit war klar, dass TMPGEnc auch nur versucht hatte, das AVI zu erkennen und dabei über den fehlerhaften Stream gestolpert war.

Also, alles nochmals auf die Ausgangslage zurück und alle Files wieder - diesmal aber noch systematischer hergestellt.

Lag die Ursache in der Sampling-Rate-Wandlung, und gibt es doch Unterschiede zwischen der "Cool Edit"-Wandlung und der Wandlung mit SSRC? Vielleicht in der Wandlungsrate als solcher? Gar in der WAV-Struktur?

Liegt es am Test-Bild? Kann eigentlich nicht sein. Es ist ein ganz normales BMP-Bild. Aber weiß man´s?

Ist es das Schnittprogramm selbst, oder der Codec?

Stellen Sie sich mal die Kombinationsmöglichkeiten vor.

Ich will es kurz machen:

Ein mit SSRC oder einem anderen Programm auf 48 kHz Sampling-Frequenz gewandeltes WAV mit meinem BMP-Testbild - mit Premiere geschnitten und gerendert - funktionierte als AVI auf Anhieb. Da wird die Adobe-Fraktion wieder grinsen - nach der Blamage bei der Tonumsetzung ;-).

Geprüft habe ich die WAV-Files übrigens einzeln, indem ich das AVI in VirtualDub geladen habe und den WAV-Stream wieder herausgetrennt habe.

Der Sound hatte die gleichen Merkmale wie der Ausgangssound und war durch Premiere nicht verändert worden. Im Gegensatz zu dem 44,1 kHz Sampling-Sound, der ja hinsichtlich der Sampling-Rate von Premiere geändert werden musste (siehe Folge I), braucht Premiere hier ja nicht Hand anzulegen. Das Programm musste den Stream nur ordentlich muxen.
 

MSP 6.0 hingegen war nicht zu einer fehlerfreien AVI-Ausgabe zu bewegen.

Was früher, als ich reinen unveränderten Sound direkt von der CD genommen hatte, noch problemlos funktionierte, führte bei einem 48 kHz Sampling-Sound auf der Tonspur zu einer fehlerhaften Ausgabe!

Also die Hotline befragt. An fünf Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten keine Antwort zu bekommen. Man hört immer nur ein Besetztzeichen. Da frage ich mich allen Ernstes, wofür ich das viele Geld ausgegeben habe, wenn sich bei der Support-Nummer keiner meldet.

Also doch Support per E-Mail in Anspruch nehmen. Nachdem ich die Hürden des Support-Fragebogens überwunden habe, erfahre ich den Grund, warum sich keiner meldet.

Ulead schreibt: "Um Ihnen einen noch besseren Support zu leisten, stellen wir unseren Service um. Dies umfasst die technische und organisatorische Umstrukturierung des Supportumfangs. Aufgrund dieser Umstrukturierung kann es zu Verzögerungen in der Bearbeitung Ihrer Anfrage kommen. Wir bitten dieses zu Entschuldigen."

Also mal sehen was passiert...

14 Tage später!

Es ist nichts passiert. Und die Lieferung für mein bestelltes Upgrade auf MSP 6.5 kam bevor sich die Hotline überhaupt geäußert hatte.

Keine Sorge, ich hatte zuvor mit der Trial-Version schon getestet, dass der Bug raus war und MSP 6.5 kann nun auch schöne AVIs mit 48 kHz-Sampling-Sound ausgeben. Aber wenn mich heute noch jemand fragt, ob ich Ulead empfehlen kann, muss ich erst richtig lange nachdenken.
 

Wie dem auch sei - ich hatte zumindest nun ein schönes AVI und damit konnte der nächste Schritt, einen MPEG-Stream mit guter Tonqualität zu encoden, folgen.

 

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