MPEG in Echtzeit mit Ulead und Ligos
und das neue WinOnCD Ver 3.8



Beim letzten EDV-TIPP haben wir uns mit den Möglichkeiten des Ulead MediaStudios und der MPEG-2-Umsetzung mittels Ligos beschäftigt. 

Das Ergebnis war -aus dem Blickwinkel des Hobby-Filmers- mehr als bescheiden.

Diese Kombination bietet aber auch noch eine andere Möglichkeit, die ich nicht unerwähnt lassen möchte.

Sie können mit diesem Programm und geeigneter Hardware ein Video nicht nur im Offline-Betrieb in das MPEG-Format wandeln, sondern Sie haben auch die Möglichkeit z.B. eine Fernsehsendung oder ein Video direkt in MPEG aufzuzeichnen - quasi in "realtime".

Was benötigt man dazu?

Zuerst einmal eine entsprechende Hardware - eine Capture-Card. 

Z.B. eine TV-Karte von Hauppauge. Die AV Master von Fast lässt sich leider dafür nicht benutzen, da sie keine skalierten Bilder ausgibt, sondern nur feste Formate.

Und dann natürlich wieder unser MediaStudio Pro. Aus diesem Paket nutzen wir "Video Capture 6.0".

Ist das Programm aufgerufen, so gehen wir in den Preview - Mode.

Im Menüpunkt Setup wählen Sie bitte als "Switch Capture Plug-in..." "Ulead MPEG VFW" aus:

Beenden Sie das kpl. Programm nun und starten Sie es neu.


Um einmal "leicht" anzufangen, beginnen wir mit der Erstellung einer VCD. Wählen Sie dazu im Menü "Setup" "Video Properties":

Unter "Spezial settings" wählen Sie die VCD aus.


Wie Sie sehen, gibt es keinerlei Einstellmöglichkeiten. Alles ist fest vorgegeben. Das hat den Vorteil, dass Sie auf Anhieb und ohne Probleme eine VCD erstellen können.

Aber wie ich Sie kenne, wollen Sie Probleme - sonst würden Sie vermutlich diese Website gar nicht lesen. 

Wenn Sie übrigens anstelle einer VCD eine SVCD mit MPEG-2 erzeugen wollen, finden Sie leider keine Voreinstellung. Wählen Sie unter der o.a. Einstellung "User Defined 1 oder 2".

Also, wie gesagt, es geht auch etwas umständlicher - dafür aber mit mehr Einstellmöglichkeiten:

Gehen Sie dazu erneut auf "Setup". Dort fangen wir mit dem "Video Format" an.

Hier wählen Sie die Einstellung "Cust"omer und tragen in die sich nun auftuenden Felder die Wunschgröße des Videos ein.

Für die Erstellung einer Video CD geben Sie bitte 352 x 288 und für eine SVCD geben Sie 480 x 576 ein.

Ich habe mich im obigen Beispiel für das Format VCD entschieden. Sie können zwar auch je nach Rechner problemlos direkt ein MPEG-2 - File erstellen, doch werden Sie von der Qualität -gelinde gesagt- nicht sehr begeistert sein. Aber das müssen Sie selbst beurteilen. Ich möchte Ihnen nur den Weg aufzeigen.

Als "Audio Format" der nächsten Einstellung im Setup habe ich PCM und 44.1 kHz bei 16 Bit - Stereo gewählt:

Unter "Video Source" stellen Sie Ihre Quelle ein. Ich habe hier den Tuner ausgewählt, da ich gerne einen Fernsehfilm im MPEG1-Format als VCD speichern möchte. Wählen Sie evtl. "Camera" mit oder ohne "SVideo".

Sollten Sie übrigens keinen Ton hören, suchen Sie auf der Website Ihres TV-Karten-Lieferanten nach einem geeigneten Programm, mit dem Sie den Ton einschalten können. Bei Hauppauge heißt das Programm "AudioSel.exe". Wenn Sie es starten und den entsprechenden Eingang wählen, hören Sie den Ton der Videoquelle.

Unter "Video Properties..." stellen Sie bei "Special settings" "User Defined 1 oder 2"  ein. Für eine SVCD wählen Sie unter "Capture MPEG type" z.B. MPEG-2:

Damit bekommen Sie zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Bei einem 450 MHz Pentium II bekomme ich mit 2000 Kbps noch ausreichende Ergebnisse. Die Frameverluste gehen gegen Null.

Doch wir wollen ja eine VCD im MPEG-1-Format erstellen: 

Die einzelnen Einstellungen können Sie aus der obigen Maske ersehen. Unter Performance habe ich übrigens "10" eingestellt - in dem Glauben damit die Qualität zu steigern. ;-)

Nach dem Klick auf den Button "Audio" kommt folgendes Menü:

Und unter "Advanced" können Sie folgende Einstellungen vornehmen:

Nachdem Sie alle Einstellungen mit OK bestätigt haben, wechseln Sie nun in das Menü "Capture". Bestimmen Sie hier, dass Sie ohne Limit capturen wollen und wählen Sie den Filenamen aus:

Vergessen Sie den Haken unter "Capture audio" nicht, sonst sind Ihre Aufzeichnungen ohne Ton und Sie bekommen das File nur mit sehr viel Schwierigkeiten auf eine VCD / SVCD.

Unter der Karteikarte "Advanced" nehmen Sie die nachstehenden Einstellungen vor:

Klicken Sie nun auf OK und folgende Abfrage erscheint:

Klicken Sie auf OK, sobald Ihr Film beginnt

und drücken Sie auf ESC, wenn Sie die Aufzeichnung stoppen wollen.

Bei dieser Einstellung habe ich keinen Frames verloren. Schaut man sich das so erstellte MPEG-Video auf dem PC an, so kann die Qualität als ausreichend bezeichnet werden. 


Nun der Versuch, das File auf eine CD-R als VCD zu bekommen:

Der erste Versuch mit Nero schlägt leider fehl. Nero meckert das File als nicht normgerecht an.

Das Programm fängt auftretende Probleme nur sehr ungenügend ab. Für den "Normaluser" ist leider nicht erkennbar, wo das Problem liegt.


WinOnCD
(Ver 3.7) von Cequadrat, das sich auch sehr gut für die Erstellung von Video CDs nutzen lässt, hilft einem dort schon weiter - es zeigt Ihnen zumindest wo das Problem liegt:

 

Untersucht man den MPEG-1-Stream genauer, so kann man folgende Parameter erkennen:

  • Muxrate 179.200 Byte/s

  • Packetlen 2048

Das ist nicht normgerecht.

Für eine VCD benötigen wir eine Muxrate von 176.400 Byte/s (konstant) und nicht von 179.200 Byte/s. Auch die Paket-Länge ist mit 2048 Bytes falsch. Sie sollte 2324 Byte groß sein.

Hätten wir direkt mit dem Ligos-Profil "VCD" gearbeitet, hätten die Brennprogramme den MPEG-Stream sofort als richtig und gut erkannt, da er die richtigen Merkmale gehabt hätte:

  • Muxrate 176.400 Byte/s 

  • Packetlen 2324


Sie könnten nun den etwas außerhalb der VCD-Norm erstellten MPEG-Stream demultiplexen und wieder multiplexen (wir haben das ja bereits in der letzten Folge gemacht), Sie können aber auch ein alternatives Brennprogramm nutzen....

Gerade frisch ausgepackt und installiert habe ich WinOnCD in der Version 3.8 von der deutschen Firma Cequadrat aus Würselen bei Aachen.

Die CeQuadrat GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Adaptec, Inc.

Adaptec hingegen hat seine kpl. "Software-Product-Group" ausgegliedert und in Roxio umbenannt. 

Ob es der Muttergesellschaft gelingt, Ordnung in die Produktpalette zu bekommen, bleibt abzuwarten. Roxio z.B. zählt zu seinen wichtigsten Produkten den Easy CD Creator, eine weit verbreitete CD-Brenner-Software, die im direkten Wettbewerb zu WinOnCD steht. Ich kann da nur hoffen, dass sich das bessere Produkt, WinOnCD, durchsetzt.


So, doch nun zu WinOnCD (Ver 3.8). 

Ganz spontan sind mir drei Sachen störend aufgefallen (das Lob kommt später):

Öffnet man in einem Windows-Programm (z.B. unter Windows 98 oder Windows ME) die Verzeichnisstruktur (Datei / öffnen), so sieht man eigentlich immer folgendes Bild (ist natürlich anhängig vom Rechner):

Das ist auch bei WinOnCD so. Sie sehen immer unter anderem in der Verzeichnisstruktur die Netzwerkumgebung. Gerade diese ist bei zwei vernetzten Rechnern und evtl. ausgelagerten Dateien recht wichtig.

Im Hauptbildschirm bei WinOnCD hingegen sieht man unter Arbeitsplatz weder die Netzwerkumgebung noch den Aktenkoffer. Man muss das jeweilige Netzwerklaufwerk also jedes Mal mappen (verbinden).

Das ist zwar bei dem bereits beschriebenen Wettbewerbsprodukt Nero auch nicht besser, aber das ist ja evtl. noch Verbesserungspotential - zumal der Easy CD Creator von Adaptec bereits in der Version 3.x diese Möglichkeit bietet.

Störend war für mich auch, das WinOnCD bei jedem Aufruf der Online-Hilfe eine Internet-Verbindung herstellen will.

Der dritte und wichtigste Punkt ist das Handbuch - es ist mehr als enttäuschend. Die Bereiche VCD und SVCD sind sehr stiefmütterlich beschrieben. Ich muss gestehen, ich habe einige Abschnitte drei oder vier Mal gelesen und dann immer noch nicht verstanden, was ich zu tun habe und was sich die Entwickler dabei gedacht haben. Ich vermute mal - ein Laie (bzw. ein "Normal-User") wird damit überhaupt nicht klar kommen.

Dafür ist der Programm-Assistent hervorragend und gerade für den Anfänger die erste Wahl.

Das Produkt hat mich trotz des schlechten Handbuches (bei anderen Programmen dieser Preislage bekommen Sie gar kein Handbuch) und den anderen beiden Punkten schlicht und einfach begeistert und ich werde in den nächsten Monaten sicher noch den ein oder anderen Tipp dazu "einwerfen".


Doch kommen wir auf unser "Ligos"-Problem zurück.

Wenn Sie Ihr MPEG-1-File (Achtung - das geht bei der neuen Version von WinOnCD nicht nur mit MPEG-1, sondern auch mit MPEG-2) nun als VCD brennen wollen, ziehen Sie es einfach aus dem rechten oberen Fenster

in das Zielfenster "Tracks".

WinOnCD (Ver 3.8) erkennt wie die Vorgängerversion (Ver 3.7), dass der Ligos-MPEG-Stream nicht VCD-konform ist. Doch statt mit einem Hinweistext abzubrechen, zeigt Ihnen das Programm folgendes Fenster:

Der Hinweistext "energie.mpg muss in eine MPEG-Datei umgewandelt werden" ist etwas verwirrend, denn die Ausgangsdatei ist ja bereits eine MPEG-Datei.

Das Programm will vielmehr einen MPEG-Stream in einen VCD-konformen MPEG-Stream umwandeln.

Sie können nun den Video-Stream direkt oder erst mit dem Brennvorgang umwandeln. Ich habe mich für "Jetzt umwandeln" entschieden.

WinOnCD trennt nun den MPEG-Stream in einen Video- und einen Audio-Teil auf, wie man an der Grafik im Fenster sinnbildlich sehen kann.

Im nächsten Schritt werden die beiden Teile wieder zu einem neuen VCD-Stream zusammengesetzt (gemultiplext).

Schaut man sich anschließend das File mit "Eigenschaften" an,

finden Sie die wichtigsten Merkmale.

Das mit der Umwandlung geht übrigens auch direkt von AVI zu MPEG-1 (leider nicht zu MPEG-2) wie die beiden nächsten Bilder zeigen:

Die Qualität des so entstandenen MPEG-Streams ist zwar mit TMPGEnc nicht vergleichbar, für bestimmte Anwendungen aber vollkommen ausreichend.


Betrachten wir noch einen Augenblick den von WinOnCD neu gemuxten LIGOS-MPEG-Stream.

Mit Hilfe der "MDGH" [Methode des genauen Hinsehens ;-) ] fällt auf, dass der von WinOnCD erzeugte Stream anstelle der üblichen Muxrate von 176.400 Byte/s auf einer Rate von 352.800 Byte/s basiert. 

Das führt dazu, dass der wiedergebende DVD-Player mit "double speed" arbeiten muss. Das können zwar die meisten Player - doch das ist, meiner Meinung nach, nicht "normgerecht". Die echte VCD basiert auf einfacher Geschwindigkeit. Abweichungen in der Auflösung bzw. der Datenrate führen zur X-VCD.

Schaut man sich die Ursache an (WinOnCD ist daran nämlich unschuldig), so fällt auf, dass ich zwar 1151 Kbps eingestellt habe 

Video Capture 6.0 mit Ligos hat daraus aber 1.178.800 bps gemacht. Da das nicht mehr der VCD-Vereinbarung entspricht, muss WinOnCD zwangsläufig auf die doppelte Rate ausweichen.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei diesem Problem. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass die Datenrate für eine Video CD 1,15 Mbps sein darf. Das hatte ich unreflektiert übernommen.

Was sind aber nun 1,15 Mbps? Es sind zumindest nicht 1151 Kbps!

Erinnern wir uns: Eine Video CD (MPEG-1) arbeitet mit einer "Constant Bit Rate". Da die Datenrate konstant ist, verändert sich die Qualität des encodierten Materials, je nach Komplexität der Szenen. 

[Bei MPEG-2 hingegen ist es möglich, mit variabler Bitrate zu encodieren. Hierbei werden ruhige Sequenzen mit wenig Details mit einer niedrigeren Datenrate als bewegungs- und detailreiche Szenen codiert. Dadurch bleibt die visuelle Qualität gleich.]

Die Video Datenrate sollte bei einer VCD nun konstant 1.152.000 Bit/s und die Audio Datenrate 224.000 Bit/s sein. Daran orientiert sich z.B. auch WinOnCD. 

Dabei ist die Muxrate in der Regel 176.400 Byte/s. Ist die Rate von Video oder Audio größer, so weicht WinOnCD auf eine größere Muxrate (siehe oben) aus. 

Wenn Sie WinOnCD nicht vertrauen, können Sie ja alternativ mal TMPGEnc benutzen. Demuxt und muxt man nun einen solchen mit Ligos erstellen Stream mit TMPGEnc, so versucht das Programm konsequent die Muxrate von 176.400 Byte/s einzuhalten, doch das Ergebnis führt zu der Fehlermeldung "pakets hat buffer underflows". Da ist WinOnCD schon kundenfreundlicher.

Wenn Sie also eine "normgerechte" VCD herstellen wollen, beachten Sie die Video Datenrate von 1.152.000 Bit/s und die Audio Datenrate von 224.000 Bit/s.

Nun sind 1.152.000 Bit/s aber nicht 1152 Kbps sondern 1125 Kilobit pro Sekunde. [1.024 Bit = 1 Kilobit (Kb)].

Geht man auf 1125 Kbps bei der "Ligos - Video Capture - Einstellung" zurück, so ist alles wieder einwandfrei und WinOnCD kann problemlos die Muxrate und die Packetlen anpassen.

Das Ergebnis ist eine normgerechte Video CD (VCD). 


Zusammenfassend muss ich sagen, Ulead in Verbindung mit Ligos hat mich hinsichtlich der Qualität alles andere als begeistert. Es ist zwar möglich, MPEG1- und MPEG2-Videos in Echtzeit zu erstellen, die Qualität ist jedoch mehr als mäßig (in Schulnoten 5-6) und höchstens für die Aufzeichnung von Nachrichten zu benutzen. Der Hobby-Filmer wird eher auf andere Tools und den OFFLINE-Betrieb zurückgreifen.

WinOnCD (Ver 3.8) ist eine echte Bereicherung und stellt endlich eine gute Alternative zu Nero im unteren Preissegment (< 100,- DM) der einfachen "Autorenprogramme" dar. Es ist nicht vergleichbar mit echten Autorenprogrammen wie I-Author oder VideoPack, aber für das schnelle Erstellen einer VCD oder einer SVCD ist es die erste Wahl, zumal es über ganz erstaunliche Funktionen verfügt, über die ich kurz vor Weihnachten berichten werde.

 

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