'Capturen' über eine IEEE-1394-Karte



Die Verbindung zwischen einem DV- oder Digital 8 - Camcorder und einem PC stellt in der Regel, sofern der PC keinen eigenen IEEE-1394-Eingang besitzt, eine PCI-Steckkarte her.


Exsys EX-6500 (Foto by S.Uchrin)


Im Idealfall versucht man also, auf dem ganzen Verarbeitungsweg digital zu bleiben, um die Probleme der Analog-Digital-Wandlung und zurück zu vermeiden, da sich dabei immer die Bildsignale verändern. Dazu benutzt man den i.Link-Anschluss am Camcorder und nicht die S-Video-Buchse.


Anschlüsse an einer Sony DCR-TRV-125E
(Foto by S.Uchrin)


Bei dem im letzten Artikel beschriebenen D8-Camcorder von Sony finden wir einen "DV OUT"-Ausgang. Also einen IEEE-1394-Anschluss, der die aufgenommenen Bilder nur in Richtung PC geben kann.

Ein digitaler Camcorder, der via IEEE-1394-Anschluß auch aufnehmen kann, unterliegt in der EU einem -ich glaube- um 10 Prozentpunkte höheren Einfuhrzoll als einer, der das nicht kann. Die Hersteller sperren deshalb bei den preisgünstigen Versionen diese Aufnahmefunktion. Meist machen sie dies übrigens per Software.

Wie man das umgehen kann und wie man seinen Camcorder doch noch als "Videorecorder" benutzen kann, erzähle ich, wenn wir unseren kleinen Demofilm fertig geschnitten haben und ihn "sichern" wollen.

Zur Zeit reicht uns die Wiedergabefunktion an der Kamera vollkommen aus.

Der Datenstrom, der nun über diese DV-Schnittstelle kommt, wird oft auch als "Native DV" bezeichnet (nativ [lat.] = natürlich, unverändert, im natürlichen Zustand befindlich). 

Native DV bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Bitstrom von der DV Kamera in seinem ursprünglich komprimierten Format über die 1394-Schnittstelle auf die Festplatte digital übertragen wird. 

Dies vermeidet mehrfache Komprimierungen, unter denen die Qualität des Videos beim Konvertieren in andere Formate, wie z.B. M-JPEG leidet. Außerdem werden Konvertierungen von analog nach digital oder digital nach analog vermieden, die ohne 1394-Verbindung notwendig sind.  

Kommen wir zurück zu der eigentlichen Steckkarte im PC. Es gibt unendlich viele Hersteller und genau so viele Karten, die alle viele Vorzüge haben und alles Mögliche können.

Nach dem Studium von zahlreichen Testberichten habe ich mich für den "BEST BUY" der Zeitschrift "video" entschieden: Die Exsys EX-6500. Sie wird kpl. mit der Videoschnittsoftware Ulead Video Studio 4.0 SE Basic geliefert und ist mit 220,- DM ein echtes Schnäppchen.

Die Karte verfügt über drei 1394-Ports, von denen einer sowohl über einen externen als auch über einen internen Steckverbinder herausgeführt ist.

Die Stromversorgung für die 1394-Geräte kann wahlweise über den PCI-Bus kommen oder über einen separaten Stromversorgungsstecker auf der Karte.

Besitzer von Windows 95 sollten an dieser Stelle eigentlich aufhören zu lesen, denn für eine einwandfreie Funktion der Hard- und Software benötigen Sie Windows 98 SE. Nur da sind alle Treiber drin, um problemlos mit einer IEEE-1394-Schnittstelle arbeiten zu können.

Neben den Treibern von Microsoft gehören zum Lieferumfang auch noch Treiber von Texas Instruments und je nach Anwendersoftware benötigen Sie (zumindest bei dem Sony-Camcorder) beide.

Wenn Ihre Festplatte nun noch eine Datentransferleistung von > 4 MByte/sec. hat, dann steht einer entsprechenden Videoverarbeitung nichts mehr im Wege. Denn im letzten Artikel haben wir ja gehört, dass ein Datenstrom von rund 3,6 MByte/sec vom Camcorder kommt.

Wenn Sie nicht so genau wissen, wie schnell Ihre Platten sind, dann finden Sie im Internet eine Vielzahl von Testprogrammen, die Ihnen entsprechende Informationen geben.

Das Ergebnis sieht dann in etwa so aus:


(getestet mit "Fast-Benchmark")

 

Lassen Sie sich nicht durch die Installationsanleitung von Exsys irritieren. Für die Nutzung von Ulead Video Studio 4.0 mit dem Sony-Camcorder müssen Sie den TI-Treiber installieren.

Sie können den Erfolg feststellen, wenn Sie im Geräte-Manager den Treiber unter dem "Audio-, Video- und Gamecontroller"-Bereich finden.

Nur dann können Sie im Ulead Video Studio den Camcorder "fernbedienen".


Mir selbst gefällt die Teakholz-verkleidete Software nicht so besonders. Ich komme mit so Simpel-Lösungen nicht so richtig klar. Ist mir im Prinzip nicht "Windows-like" genug. Und im wahrsten Sinne des Wortes zu aufregend. Ich glaube, jedes Kapitel des Handbuches fängt mit dem Satz an "das ist die aufregendste Software...".

Aber für den Einsteiger sicher eine gute und auch preiswerte Lösung.


Ich selbst greife lieber auf ein "Profi-Programm" von Ulead zurück. Und zwar auf das Paket "MediaStudio Pro". Angefangen habe ich mit der Version 2.5 und heute ist das Programm bei der Version 6.0.

Um diese Software nun aber nutzen zu können, müssen Sie den TI-Treiber wieder von Ihrer Platte verbannen und den Treiber von Microsoft nutzen. Sowohl Mainactor von Mainconcept (Preis 149,- DM) als auch das MediaStudio von Ulead (Preis 999,- DM) wollen zwingend den MS-Treiber haben, um den Camcorder auch zu steuern.

Das Handbuch der Exsys-Karte ist da eine sehr gute Hilfe für die Umstellung.

Mainactor ist übrigens eine gute Alternative für den Anfänger wie für den Profi. Und auch der Preis ist mehr als interessant.

Nach erfolgreicher Umstellung sehen Sie den Treiber nicht mehr im "Audio-, Video- und Gamecontroller" - Bereich, sondern unter dem Oberbegriff der "Bildverarbeitungsgeräte".

 

Im Anwendungsprogramm (hier z.B. Video Capture 6.0) sehen Sie dann im unteren Bereich aktivierte Steuerungstasten.

Sollte das bei Ihnen nicht der Fall sein, so wählen Sie im Anwenderprogramm unter "Device Control" noch den "MS 1394"- Treiber aus:

Sie können nun Ihren kpl. Film capturen (einfangen) oder nur Teile des Films. Bei unserem Beispiel habe ich beide Wege beschritten, da der Film nicht besonders lang war.

Bei einem großen langen Werk sollten Sie nur die Szenen capturen, die Sie nachher zum Videoschnitt wirklich brauchen - denken Sie einfach mal an Ihren Speicherplatz.

Sie haben dazu bei dem Programm "Video Capture" aus dem MediaStudio - Paket die Möglichkeit, echte Schnittlisten anzulegen.

Sie beginnen dazu mit der Vergabe des Projektnamens:

Sie können sich nun über den Menüpunkt "Batch Settings..." 

die leere Batch-Liste ansehen:

 

Im nächsten Schritt bedienen Sie im Hauptbild den Camcorder. Und spulen den Film an den Anfang zurück. Über Play können Sie sich den Roh-Film nun im Detail ansehen:

Mit den Funktionstasten "F3" (Mark in) und "F4" (Mark out) markieren Sie während des Abspielvorganges nun den Beginn und das Ende der Szene, die später "eingefangen" werden soll.

Das Ergebnis ist eine Liste der Szenen:

Diese Liste speichern Sie sich über "Save" ab:

Sobald das erledigt ist, befinden Sie sich wieder im Hauptbild. Dort drücken Sie auf die Funktionstaste "F5". Sie sehen nun folgendes Bild:

Hier wählen Sie als "Capture method" die "Device control" und nun brauchen Sie nur noch auf "OK" zu klicken. Der Camcorder wird wie von Geisterhand zurückgespult und Szene für Szene wird jeweils in einem eigenen File abgespeichert.

Am Ende bekommen Sie eine Meldung über den Erfolg (oder Misserfolg) Ihrer Bemühungen:

Das Ergebnis sind einzelne Szenen in einzelnen AVI-Files:


Zum Schluss muss ich gestehen, dass ich ein bisschen geschummelt habe bei der Übertragung der Originalaufnahmen auf den Rechner. Ich habe nicht mit zwei verschiedenen Camcordern gearbeitet (Hi8 und Digital8) wie beschrieben, sondern ich habe alles mit dem Digital 8 - Camcorder von Sony aufgenommen und nur für die TV-Karte und die Fast AV-Master den S-Video-Ausgang genutzt. Das hatte den Vorteil, dass man wirklich vergleichbares Ausgangsmaterial hat und somit nur die Digitalisierungskarten bzw. die Verfahren beurteilen kann.

Nachdem wir nun also alle drei Filme (TV-Karte, AV-Master und i.Link über Exsys) auf der Platte haben, werden wir bei Gelegenheit aus diesen Einzelteilen einen Gesamtfilm zusammenschneiden.

Zurück

Zur Index-Seite

Weiter


 

Home zu "http://www.edv-tip.de"